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2 Min. Lesezeit von Winfried Salewski
Meilensteine Aus der Gemeinde

Wie alles begann – die Geschichte der Bürgerstraße 12

Ein klassizistisches Baudenkmal von 1835, berühmte Bewohner und ein Grundstückstausch mit der Stadt: Wie die Bürgerstraße 12 zur Gemeinde kam.

Wie alles begann – die Geschichte der Bürgerstraße 12

Wer die Bürgerstraße in Göttingen entlangfährt, dem fallen in einer markanten Straßenbiegung in Höhe der Voigtschule zwei Gebäude auf: der Neubau der Baptistenkirche und dicht daneben ein schlichtes, einst rot gestrichenes Haus, das sich als klassizistische Architektur zu erkennen gibt. Hinter dieser unscheinbaren Fassade verbirgt sich ein Baudenkmal mit einer langen Geschichte – und die ist eng mit unserer Gemeinde verbunden.

Ein Sommerhaus von 1835

Erbaut wurde das Gebäude im Jahr 1835 von Professor Bergmann, Prorektor und Jurist der Universität Göttingen, als Sommerhaus. Es entstand auf einem weitläufigen Grundstück jenseits des Stadtwalls, inmitten der Wiesen an einem von Pappeln gesäumten Pfad. Das zweigeschossige Haus über rechteckigem Grundriss ist von ganz geschlossener Form, wie es für den Klassizismus typisch ist. Eine Besonderheit war der große umgitterte Aussichtsbalkon – ein Belvedere, wie man es in der klassizistischen Landsitz-Architektur häufig findet.

Der Architekt ist bis heute nicht bekannt, da die Bauakten verloren gegangen sind. Gesamtkonzeption und Formelemente erinnern jedoch an Entwürfe des hannoverschen Hofbaumeisters Georg Ludwig Laves, des Schöpfers von Opernhaus und Wangenheim-Palais in Hannover. Es handelt sich also um ein Haus von beachtlichem architektonischen Niveau.

Berühmte Bewohner

Nach Bergmanns Tod 1845 wechselte das Haus mehrfach den Besitzer. Zwischen 1851 und 1855 wohnte hier der Orientalist Ernst Bertheau, nach dem heute eine Göttinger Straße benannt ist. Um 1860 zog Oberamtsrichter Georg Friedrich Schrader ein, auf den der Anbau an der Westseite zurückgeht. 1872 übernahm der weltberühmte Jurist Rudolf von Jhering das Haus, der hier Teile der Rechtsliteratur neu verfasste. Er schwärmte in Briefen von den elf Zimmern, dem schönen Garten und „der relativ besten Aussicht, die man in Göttingen haben kann". An ihn erinnert bis heute eine Gedenktafel an der Fassade. Letzter privater Besitzer war ab 1892 der Historiker Max Lehmann.

Das Haus kommt zur Gemeinde

1980 erwarb die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Göttingen im Rahmen eines Grundstückstausches mit der Stadt die Grundstücke Bürgerstraße 12 und 14, um ein neues Gemeindezentrum zu bauen. Mit dabei: das denkmalgeschützte Wohngebäude, auch „Bergmann'sche Villa" oder schlicht „rote Villa" genannt. Schon der Tauschvertrag hielt ausdrücklich fest, dass das Haus als Baudenkmal in der Liste der zu schützenden Objekte geführt wird. Viele in der Gemeinde entwickelten bereits Ideen für die baldige Nutzung – doch es sollte ganz anders kommen. Über Jahre wurde das rote Haus zu einer großen Herausforderung. Mehr dazu im nächsten Teil unserer Geschichte.