Vom Sorgenkind zum Schmuckstück – die Sanierung 1982–1990
Brand, Hausbesetzungen und ein Abbruchantrag – und am Ende ein „Paradebeispiel gelungener Denkmalsanierung". Die bewegte Rettung der gelben Villa.
Als die Gemeinde das Haus 1980 übernahm, wäre längst eine gründliche Sanierung nötig gewesen. Doch die finanziellen Kräfte einer Freikirche, die keine Kirchensteuer erhebt und alles aus freiwilligen Spenden trägt, waren zunächst durch den Bau des neuen Gemeindezentrums gebunden. Das leerstehende „rote Haus" geriet so in eine schwere Zeit.
Brand, Verfall und schlechte Presse
Am 3. Juli 1982 zerstörte ein Feuer das Treppenhaus erheblich; wertvolle historische Bauteile gingen verloren. Trotz aufwendiger Sicherung drangen immer wieder Menschen in das Gebäude ein, ein Wasserschaden löste ganze Deckenteile bis auf die Tragbalken. Die Hauswände wurden mit Parolen beschmiert, und das Göttinger Tageblatt schrieb wiederholt vom „Skandal" um den unhaltbaren Zustand. Im April 1987 besetzten zeitweise Sympathisantinnen eines Frauenzentrums das Haus, rund 300 Menschen versammelten sich davor.
Die Entscheidung für die Sanierung
In der Gemeinde wurde leidenschaftlich diskutiert: Erhalt oder Abriss? In der Gemeindeversammlung am 14. September 1986 entschied man sich mehrheitlich für die Sanierung. Doch die Finanzierung blieb unsicher – die beantragten Zuschüsse wurden zunächst abgelehnt, und die geschätzten Kosten stiegen auf rund 700.000 DM. In ihrer Not stellte die Gemeinde Anfang 1987 sogar einen Abbruchantrag.
Eine überraschende Wendung
Dann schaltete sich die Denkmalpflege ein. Das Institut für Denkmalpflege in Hannover bat die Gemeinde, einen Antrag auf einen verlorenen, also nicht rückzahlbaren Zuschuss zu stellen. Wie ein Geschenk des Himmels traf der Bewilligungsbescheid über 247.000 DM ein. Damit stand – zusammen mit einem Kredit – die Finanzierung des Erhaltungsumbaus.
Anpacken am Wochenende
Am 1. Dezember 1989 begannen die Arbeiten unter Bauleiter Horst Dieter Krummradt, für den die Sanierung eine Herzensangelegenheit war. Der Zustand war katastrophal: verwurmtes Dachgebälk, eingestürzte Balken, ein problematisches Fundament. Viele fleißige Gemeindemitglieder brachten sich überwiegend an den Wochenenden ein – über 3.500 freiwillige Arbeitsstunden senkten die Kosten entscheidend. Mit großem Aufwand wurden Türen, Fenster und Treppenteile im Originalzustand erhalten oder originalgetreu nachgebaut. Das einst rote Haus erhielt einen Anstrich im Ockergelb, das vermutlich schon Laves verwendet hätte.
Einweihung 1990
Am 24. August 1990 wurde das Haus feierlich eingeweiht. Die öffentliche Meinung hatte sich vollständig gewandelt: Wo zuvor der Verfall kritisiert worden war, kam nun Lob von allen Seiten. Das Göttinger Tageblatt sprach von einem „Paradebeispiel für eine gelungene Sanierung nach Denkmalschutzkriterien". Aus dem Sorgenkind war ein Schmuckstück geworden – und der Grundstein für das, was heute in der Bürgerstraße 12 entsteht.